Zwieselauer Waldbahn

 

Diese 600mm Waldbahn vom Bahnhof Zwieselau zum ehemaligen Weiler Hirschbach entstand 1929/30 nach den verheerenden Windwürfen des Orkans vom 4.7.1929.

Nachdem sich die benachbarte Spiegelauer Waldbahn gerade in dieser Zeit - 2. Hälfte der 20er Jahre - aufgrund der guten Erfahrungen in einer Phase stürmischer Expansion befand, entschloß sich die Graf von Melin´sche Gutsverwaltung in Oberzwieselau, ebenfalls eine Waldbahn ausgehend vom Bahnhof Zwieselau zu bauen.
Sie blieb bis 1958 in Betrieb, nach 1954 jedoch nur noch von der Gutsverwaltung in Oberzwieselau benutzt.
Die Nebenäste in die Kiesau und zum Ziegelstadl waren dagegen nur von kurzer Dauer, sie wurden nach Abtransport des Windwurfholzes bereits Anfang der 30er Jahre nicht mehr benutzt, nach Buchenau wurde bis 1955 gefahren.

Der Streckenendpunkt Hirschbach ist heute nur noch erschwert zugänglich - er liegt auf dem Grund des Frauenauer Trinkwasserspeichers....

 

 

Die Strecke der Waldbahn heute: Eine Spurensuche

Die Zwieselauer Waldbahn liegt außerhalb des Nationalparkes Bayerischer Wald in herkömmlich bewirtschafteten Waldstücken; daher präsentiert sich die ehemalige Trasse etwas anders als der Spiegelauer Nachbar.
Große Hindernisse wie Windwürfe im Nationalpark-Urwald sind hier nicht zu erwarten, dafür die Hinterlassenschaften heutiger Forstwirtschaft. Haufenweise abgetrennte Äste oder Fahrwege, die nach Regenfällen zu grausligen Baazrinnen im Wald mutieren.
Andererseits fehlt das dichte Unterholz weitgehend, es gibt schöne Passagen in lichten Wäldern, und die eine oder andere abgeräumte Fläche ermöglicht Ausblicke auf die umgebende Mittelgebirgslandschaft.

Die Nähe zu heutiger Besiedlung fordert aber auch ihren Tribut: Gerade am Bahnhof Zwieselau, ebenso in Buchenau oder Oberzwieselau sind die Spuren der Waldbahn aus der Landschaft getilgt. Einplaniert und überbaut, kann man in diesen Bereichen nur Vermutungen anstellen.

Empfohlene Landkarte: Topografische Karte 1 : 25000 des bayerischen Landesvermessungsamtes, Blatt 6945 Zwiesel .

 

 

In Zwieselau selber ist praktisch nichts mehr erkennbar; die Gleise der Waldbahn lagen nordöstlich der Staatsbahn;
heute ist dort die begradigte Staatsstraße.
Gleichzeitig mit dem Bau der Waldbahn erweiterte man den Staatsbahnhof Zwieselau: Am Ostende des Bahnhofes wurden 2 knapp 200m lange Abstellgleise neu gebaut, diese bogen linkerhand in nordöstlicher Richtung ab; beidseitig dieser Staatsbahngleise verliefen Überladegleise der Waldbahn.
Der heutige DBAG-Haltepunkt liegt am nordwestlichen Ende des früheren Bahnhofes, dessen an privat verkauftes Empfangsgebäude etwas versteckt hinter Buschwerk liegt.
Das nordwestlich anschließende Sägewerk hatte Gleisanschlüsse an die Staats- und die Waldbahn.

Der Rand der ursprünglich in einem ca. 1m tiefen Einschnitt verlaufenden Abstellgleise der Staatsbahn+ Waldbahngleise sind mit dem heutigen Waldrand identisch, und endeten etwa auf Höhe des Feldweges, auf dessen weiterem Verlauf in Richtung Regenbrücke die Waldbahntrasse lag.

Bild unten: Einen guten halben Kilometer östlich des Haltepunktes stößt man auf die erhaltene Trasse,
hier als Feldweg benutzt. (Blick zurück Richtung Zwieselau)
Hinter der Wiese etwa in Bildmitte lag das Ende der Staatsbahngleise, die Staats-/ und Waldbahngleise bogen dort entlang des Waldrandes nach rechts zum Bahnhof ab.
Hier lag der Lokschuppen der Waldbahn, der nach Stillegung des Bahnbetriebes noch zu zweifelhaften Filmehren kam, als man ihn bei Dreharbeiten zum Film “
Nacht fiel über Gotenhafen ” in Brand steckte. (23:10 ?? gut zu sehen bei 55:15)
Viele Szenen dieses Filmes sind hier in der Gegend entstanden, auch der Gutshof in Oberzwieselau ist dabei. (ab 50:10)


Und nur wenige Meter weiter gleich ein absoluter Höhepunkt in Form der weitgehend erhaltenen Brücke über den kleinen Regen. Die Brücke dient nach wie vor ihrem Zweck: sie trägt einen Fußweg über das Gewässer.

Das Hauptfeld - etwa die Hälfte der Brückenlänge - überspannt den Fluß, drei kürzere Felder bilden eine Vorflutbrücke


Direkt hinter der Brücke zieht sich die hervorragend erkennbare Trasse zuerst als Damm durch die Flußau, dann steigt sie als Fahrweg genutzt den Hang hinauf.

Knapp einen Kilometer hinter der Brücke endet der Fahrweg, kurz vor dieser Stelle war auch die erste der insgesamt 3 Abzweigungen, die hier spitz von hinten einmündet. Dieser Streckenast - ca. 3 km lang - führte nur leicht ansteigend am Hang entlang nach Oberzwieselau / Kiesau (siehe Nebenäste)
Der Abzweig in Richtung Zwieselau fotografiert; der Weg ist die Hauptstrecke, der Oberzwieselauer Ast ist die auffallende Geländestufe halbrechts 


die ursprünglich belassene Trasse folgt nun dem Pommerbach, und verläuft fast eben. Im Gegensatz zu Spiegelau findet man hier immer wieder “vergessene” Schwellen. Spiegelau verwendete bei fest verlegten Gleisen nur Holzschwellen, hier kamen Holz- und Stahlschwellen zum Einsatz.

Am Pommerbach, hier die einzige etwas längere Passage mit etwas Unterholz.


Ca.. 1,5 km nach der Regenbrücke biegt die Trasse in das Tal des Langbruckbaches ein, und überquert dieses auf einem auffallend hohen Damm.

Wenige Meter weiter wird die Trasse auffallend breit; evtl. lagen hier 2 Gleise.....


... denn gleich danach folgt der Abzweig des Streckenasteszum Ziegelstadel (geradeaus) während die Hauptstrecke rechts abbiegt, einen flachen Sattel überquert, und wieder dem Pommerbach folgt.

Ein kurzes Stück mit langem Gras......


... dann wird die Trasse wieder zum Forstweg, der in einem weiten Linksbogen in das Tal des Großaubaches abbiegt...

... und dort einen scharfen Rechtshaken schlägt.


Hier trifft die Bahntrasse (Bildmitte) auf eine Forststrasse von der Pochermühle bis zum Nordufer des Stausees;
diese Strasse wird uns noch dreimal begegnen.
Genau dort, wo diese Strasse einen auffallenden Schlenker macht, überquert die Waldbahn die Strasse.....

.... um sich nach 20 Metern ein letztes Mal zu teilen: Der scharf links abbiegende Fahrweg ist der Streckenast nach Buchenau, die Hauptstrecke biegt etwas sanfter links ab, und ist hier wieder völlig ursprünglich belassen.


Die Trasse überquert den Großaubach, biegt rechts ab, durchquert ein Unterholz...

..... und tangiert in der folgenden Linkskurve die Forststrasse.


Als Fahrweg strebt die Trasse nun dem Pommerbach zu; die steil ansteigende Trasse jenseits des Baches ist rechts im Wald erkennbar. 

Die Brücke über den Pommerbach existiert nicht mehr, die Widerlager sind jedoch noch gut erhalten.


Gleich hinter dem Bach geht es steil bergauf: Die ca. 400m bis zur ersten Spitzkehre sind sehenswert: Hier liegen noch fast alle Schwellen mitsamt der Kleineisen !

Die erste Spitzkehre ist leicht zu erreichen: Die Forststrasse durchquert diese.


Der Blick in die entgegengesetzte Richtung: Links tal- / rechts bergwärts

Relativ gradlinig zieht sich die Trasse 500m die Pommerhöhe hinauf, auch hier findet man noch viele Schwellen....


.... bis zur oberen Spitzkehre. Links der anschließende Streckenabschnitt bis zum Sattel.

Die blaue Plastikplane markiert den Prellbock auf der oberen Spitzkehre direkt am Waldrand. Von hier sind es nur noch 700m bis Buchenau.
Auch diese Stelle ist leicht zugänglich: 30m oberhalb verläuft die von Buchenau südlich führende Forststrasse


30m nach Verlassen der oberen Spitzkehre wird die Trasse zum Wanderweg, hier als Abschnitt des “Gläsernen Steiges”

600m nach der oberen Spitzkehre ist der Scheitelpunkt (750m) erreicht, schräg durch das Bild verläuft die schon bekannte Forststraße von der Pochermühle. Mitten im Straßenplanum sind auch hier Schwellen erkennbar !
Direkt hinter der Straße ist ein links abzweigendes Abstellgleis zu erkennen. Es ist eben und nur ca 50m kurz.
Das heute noch existierende Streckenstück fällt kontinuierlich bis zum Staudamm ab. Offenbar wurden die beladenen Züge in mehreren Teilen bergauf befördert; die Trucks wurden in diesem Gleis hinterstellt, die Talfahrt nach Zwieselau trat dann der ganze Zugverband wieder gemeinsam an.


Das nun folgende Trassenstück ist wieder gut erhalten, und ausgesprochen bequem begehbar. Es wird von einem Wanderweg gekreuzt.......

....... und 100m vor dem endgültigen Ende noch einmal kurz von einem von oben heranführenden Fahrweg für ein paar Meter verschüttet. Unmittelbar danach zeigen sich die letzten Meter der Trasse mit einer schönen Stützmauer, bevor die Waldbahn im Staudamm und auf dem Grund des Sees verschwindet (Hintergrund).


Der Weiler Hirschbach lag am hinteren Ende des heutigen Trinkwasserspeichers und ist auf heutigen Karten mit dem Vermerk “abgebrochen” eingezeichnet. (oben: grüne Wiese)
Der Endpunkt der Waldbahn lag auf 764m Höhe, der Seespiegel normalerweise auf 767m; die Waldbahn durchquerte den heutigen Stausee also auf fast der ganzen Länge. Unten bei Hirschbach

 

Nebenstrecken der Zwieselauer Waldbahn


 

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