Waldbahn
Ruhpolding - Reit im Winkl

Der 23 km langen Meterspurbahn war nur ein kurzes Leben gegönnt.
Im November 1922 erfolgte die provisorische Betriebsaufnahme bis Seegatterl, am 19.Juli 1923 der Gesamtbetrieb bis Reit im Winkl.

Bereits am 31.Oktober 1931 endete der Personenverkehr, der öffentliche Güterverkehr am 17. Dezember 1931.
Danach wurde die Bahn ausschließlich für Forsttransporte bis 1937 weiterbetrieben.

Es gab schon früher mehrere Anläufe, Reit im Winkl an das Bahnnetz anzuschließen, diese scheiterten alle schnell an den ungünstigen Bedingungen:

Eine Verlängerung der Marquartsteiner Nebenbahn wäre nur mit exorbitantem Aufwand zu realisieren gewesen - und von Ruhpolding her fährt man durch ein landschaftlich reizvolles, aber nur spärlich besiedeltes Tal.
Reit im Winkl selbst ist heute noch ein recht überschaubares Dorf geblieben...

Die Waldbahn verdankt ihre Entstehung großen Windwürfen 1919; sie war Eigentum der Forstverwaltung, und nicht der Staatsbahn.
Der Abbau der Strecke erfolgte 1940 - trotzdem ist diese landschaftlich herrlich gelegene Bahn auch heute noch gut zu verfolgen.

Ihren Ausgangspunkt hatte die Strecke im Waldbahnhof Ruhpolding, ca. 400m östlich des Staatsbahnhofes,
der in jüngster Vergangenheit ganz erbärmlich zurechtgerupft wurde...
Der Waldbahnhof hatte auch recht umfangreiche Gleisanlagen in Normalspur - einschließlich zweier Rollwagengruben.
Die Lage des ehemaligen Anschlußgleises ist heute noch gut zu erkennen:
Am km 12,3 - kurz hinter dem Hp Bibelöd  - zweigte dieses geradeaus von der hier in einer Rechtskurve verlaufenden Strecke ab.
An den früheren Zweck des zztl. komplett überbauten Areals erinnert heute die “Waldbahnstrasse” - und hier steht heute noch ein Lokschuppen.



Unmittelbar nach Verlassen des Waldbahnhofes überquert die Waldbahn den Urschlauer Achen,
die Stahlgitterbrücke ist noch original Waldbahn, und trägt heute einen Wanderweg über das Gewässer.
Unmittelbar dahinter muß man kurz ausweichen, da der Tennispark mitten auf die Trasse gebaut wurde.

Aber danach liegt die Dr. Degerner Weg für rund 2,5 km genau auf der Trasse; entlang des Westufers der Weißen Traun....
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......vorbei am ehem. Hp Fuchsau.

500m nördlich des Hp Fritz am Sand biegt der Wander- / Radweg mit der B 305 etwas nach rechts ab, die Bahntrasse läuft geradeaus weiter....


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........Genau hier findet man noch einen gut erhaltenen Durchlaß.

Der Bahndamm ist noch ein kurzes Stück begehbar, und verschwindet im Unterholz, um sich kurz vor Fritz am Sand wieder mit dem Wanderweg zu vereinigen.
Der Weg verläßt im Bereich des früheren Hp die B 305, um geradeaus auf einem kleinen Damm nach ca. 300m die Weiße Traun zu überqueren.
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Gleich hinter der Brücke verläßt der Weg die Bahntrasse, die auf einem gut begehbaren Damm eine Rechtskurve beschreibt, und dann geradeaus auf Laubau zuzuführen (unten).
Unmittelbar vor Laubau wird der Fischbach überquert; die Brücke ist mitsamt der Widerlager komplett verschwunden - der Streckenwanderer muß das Stück bis Fritz am Sand zurück, um auf einem Fahrweg neben der B 305 nach Laubau zu gelangen.
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In Laubau zweigt von der B305 an der Bushaltestelle linkerhand eine Straße ab, die sich sofort zu dem großen Parkplatz des Holzknechtmuseums aufweitet. Diesen Parkplatz überquert die Waldbahntrasse rechtwinklig etwa 100m hinter der Abzweigung. Oben der Blick vom Parkplatz auf den früheren Haltepunkt - links erkennt man ein geducktes Blockhaus.
Die ehemalige Fischbachbrücke war gleich hinter den Bäumen, man erkennt noch ein kurzes Dammstück.

Wenn man sich dort umdreht, verschwindet die Trasse im Unterholz / privaten Grundstücken.
Die Waldbahn beschrieb eine Linkskurve, um dann etwa 30-40m Entfernung östlich der B 305 zu verlaufen. Im spitzen Winkel nähert sich die Trasse dann der Bundesstraße, und ist teilweise von dieser aus zu erkennen.

Kurz nachdem die Nebenstraße zur Fuchswiese abzeigt, überquert die Waldbahntrasse die
B 305 in spitzem Winkel und erfreut den Streckenwanderer wenige Meter weiter mit einem schönen Feldweg auf der Trasse.
Blick zurück auf den Rauschberg; Bildmitte = Waldbahn.....
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.... und in die entgegengesetzte Richtung

Nach einem halben Kilometer trifft die Bahntrasse auf die Seetraun.
Genau an dieser Stelle verläßt der Feldweg die Trasse, um von nun an einige Meter südlich zu verlaufen.
Die Waldbahn verläuft jetzt für gut einem Kilometer auf dem Damm, der auch das Südufer der Seetraun bildet, und fast völlig zugewachsen ist......



.... von einem ganz kurzen Stück abgesehen, wo sich die Seetraun jüngst bei einem Hochwasser einen eigenen Weg gesucht hat.

Einen Kilometer vor Seehaus treffen Bach und Bahn wieder auf die B305; die Waldbahn geht größtenteils in den Wanderweg auf.
An einer markanten Engstelle haben die alte Straße und die Bahn wohl jeweils kurz die Seiten gewechselt, sonst wäre es eng hergegangen....


Kurz vor Seehaus findet sich ein Betonfundament, hier befand sich der Abzweig eines längeren Ladegleises, das kurz danach rechterhand die Seetraun überquerte.....

... und dessen Brückenwiderlager / -pfeiler noch gut zu erkennen sind.


Genau hier überquert die Waldbahntrasse die B 305 - die Bahn verlief am Ostufer des Förchensee - die Straße wechselt auf die Westseite.
Und hier beginnt der mit 1,5 km längste Abschnitt, auf dem die gleislose Trasse noch völlig unberührt in der Landschaft liegt.
Dieses Stück kann begangen werden, es ist allerdings teils ziemlich zugewachsen, von gelegentlichen größeren Hindernissen in Form von Baumstämmen und Felsbrocken einmal abgesehen.

Der Wanderweg biegt an dieser Stelle ebenfalls nach rechts ab, und verläuft immer 20-30m neben dem Anschlußgleis, dessen Ende von einer heute noch vorhandenen Laderampe gekennzeichnet wird.
Wenige Meter weiter ist in Seehaus die letzte Einkehrmöglichkeit für die nächsten 10km.......


Der Förchensee vom Wanderweg aus gesehen - die ansteigende Waldbahntrasse ist schwach hinter den Bäumen zu erkennen. Das Ostufer des flachen Gewässers ist im unteren Teil
eine ca. 50m hohe, steile Sandreiße, die direkt in eine fast 300m hohe Felswand übergeht.
Ich wage einmal die Prognose, daß diese Stelle dem Bahnbetrieb öfter Sorgen bereitet hat.....

Die Trasse etwas südlich des Förchensee
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Etwa 700m südlich des Förchensees kommt der Wander-/Radweg von der B305 herauf, um weiter auf der Bahntrasse zu verlaufen. Das unbenutzte Trassenstück endet hier an dem gut erkennbaren “halbierten” Durchlaß. Man beachte das Warnschild rechts !
Es gilt offenbar für die Streckenwanderer - und nicht zu Unrecht.......

Blick zurück auf den 1172m hohen Seekopf
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Einen halben Kilometer weiter ist wieder einmal das beliebte Spiel “Seitenwechsel” angesagt.
Die Waldbahn verläuft jetzt wieder nördlich der B 305, sowie des Löden- und Mittersees, während die Bundesstrasse die beiden Gewässer südlich umfährt.
Hier die Stelle, an der die B 305 die Waldbahntrasse kreuzt - der Bahndamm wurde auf einem kurzen Stück abgetragen.
Der Wanderweg 45 unterquert die Straße, und führt wieder direkt auf die Bahn hinauf.

Hier oben beim Hp Lödensee war auch mit 780m der höchste Punkt der Strecke.
Bis hierher steigt die Trasse ab Ruhpolding (650m) praktisch ununterbrochen mehr oder weniger stark an.

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Rechts das Ladegleis von Lödensee.

Oberhalb von Löden- und Mittersee fällt die Trasse stetig in Richtung Reit im Winkl.



Direkt am Weitsee wechselt die B305 wieder die Talseite. Diesmal verschwindet die Waldbahntrasse fast komplett in der Bundesstraße - bis Seegatterl.

An der Bushaltestelle Weitsee, Badeplatz


Aber halt nur fast.....  Es gibt 2 jeweils ca. 500m lange Abschnitte, wo sich die Bahntrasse sichtbar von der Strasse entfernt.
Der erste beginnt direkt gegenüber der Bushaltestelle Weitsee (Fahrtrichtung Ruhpolding)
Rechts oberhalb der Strasse erkennt man den Weg auf der Bahntrasse, die dann in den Wald schwenkt. Wo die Straße im Hintergrund um die Ecke verschwindet, trifft die Bahn wieder auf die Straße. Etwa dort war der Hp Weitsee.


Der 2. frei verlaufende Abschnitt ist noch einmal einen Kilometer weiter, kurz bevor das Ende des Weitsee erreicht wird.

Kurz vor Seegatterl, Blick Richtung Weitsee

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Seegatterl: Der Hp lag etwa im Dunstkreis des Buswartehäuschens

Von Seegatterl in Richtung Reit im Winkl begleitet uns wieder der Wanderweg auf der Bahntrasse, die gleich hinter einem Hotel aus der Versenkung auftaucht.


Einen Kilometer unterhalb von Seegatterl wird die Schwarzlofer auf dieser noch im Originalzustand befindlichen Betonbrücke überquert.

Auch die wilde Schwarzlofer wird sich dann und wann Hochwassermäßig danebenbenommen haben........


Etwa 700m vor den ersten Häusern von Reit im Winkl biegt der Wanderweg nach links ab;
die geradeaus weiterlaufende Bahntrasse ist im Gebüsch noch für 50m als Damm zu erkennen, die direkt anschließende Brücke über die Schwarzlofer ist mitsamt der Widerlager entfernt.

Die Bahn verschwindet auf dem direkt folgenden Stück wieder kurz in der B305.

Über den Fluß zu waten lohnt sich nicht, 300m weitergibt es eine Brücke.
Unmittelbar nach der Brücke erkennt man wieder die Bahntrasse.
Das waren dann aber die letzten 200m, wo sie eindeutig zu sehen ist....


Bei der Tankstelle verschwindet die Trasse ....

...... zuerst im Gelände einer Zimmerei.
Dem älteren Betriebsgebäude nach zu schließen, seinerzeit Kunde der Waldbahn.


....durchquert ein Gewerbegebiet (“Am Donnersgattern”), bevor sie hier den ehemaligen Endbahnhof erreicht.
Dieser ist zztl. größtenteils überbaut. Das Forstamt mit angebauter Bahnverwaltung / Bahnhof stand dort, wo sich heute das Hotel “Kaiserhof” befindet. Auch hier erinnert die Ortsbezeichnung “Waldbahnstrasse” an die ehemalige Bestimmung des Areals.

Neben dem Standpunkt für das obige Foto entdeckt man doch noch ein Artefakt.....



Der Endbahnhof im Ortsteil Groissenbach ist 20 Minuten vom Dorfzentrum entfernt.....

 

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